Erste Hilfe bei Erstickungsfall

Was sofort zu tun ist, wenn der Betroffene beim Essen zu ersticken droht


Einleitung

 

Wenn man einen Huntington-Patienten füttert, muss man wissen, was man im Notfall zu tun hat, denn die Schluckbeschwerden eines Huntington-Patienten stellen fortwährend eine lebensgefährliche Beeinträchtigung dar und bei jeder Nahrungsaufnahme besteht die Gefahr eines Erstickungsanfalls. Dieser entsteht durch Verschlucken oder Einatmen eines Fremdkörpers in die Luft- oder in die Speiseröhre. Beide verlaufen parallel zueinander, sodass auch größere Fremdkörper in der Speiseröhre zu Atemstörungen mit Erstickungsgefahr führen können.

 

Symptome

 

Ob ein Patient zu ersticken droht, erkennt man daran, dass er weder atmen, noch reden, noch husten kann und sich mit der Hand an Hals oder Brust greift oder mit den Händen in der Luft herumfuchtelt. Er würgt, macht krampfhafte Atemversuche, wird zunächst weiß und läuft wegen des Sauerstoff-mangels im Gesicht und an den Lippen blau-violett an. Der Puls wird schwach und rast, der Blutdruck fällt, Angst und Panik entstehen.

 

Jetzt ist schnellste Hilfe nötig, denn nach einer oder zwei Minuten wird er bewusstlos. Wenn die Blockierung der Atemwege nicht nach drei bis vier Minuten gelöst ist, beginnen Gehirnzellen wegen Mangel an Sauerstoff abzusterben. Der Pflegende muss sofort begreifen, dass der Betreffende zu ersticken droht und muss unverzüglich darauf reagieren. Es besteht akute Lebensgefahr.

 

Hustenreiz auslösen

 

Wenn der Patient nicht mehr hustet, muss man versuchen, die Nahrung mit den Fingern zu entfernen, um die Atemwege frei zu machen. Gelingt dies nicht, muss der Betroffene mit dem Oberkörper nach unten gebeugt werden – gegebenenfalls über das Knie des Betreuenden. Mit ein paar schnellen Schlägen mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter wird ein Hustenreiz ausgelöst (keinesfalls in aufrechter Sitzposition, da das Verschluckte dann noch tiefer in die Luftröhre rutschen kann). Durch das Husten wird das Verschluckte aus der Luftröhre befördert.

 

Heimlich-Griff anwenden

 

Wenn Klopfen auf den Rücken den Fremdkörper nicht löst, muss man den Heimlich-Griff anwenden (benannt nach seinem Erfinder, dem amerikanischen Arzt Dr. Henry Heimlich). Er dient dazu, durch eine Kompression des Bauchraums den Fremdkörper durch den entstandenen Überdruck aus den Atemwegen zu befördern. Dazu stellt man sich hinter den Kranken, umfasst seinen Rumpf mit den Armen genau unterhalb der Rippen, beugt die Person leicht nach vorn, bildet mit der einen Hand eine Faust und packt die Faust mit der anderen Hand so, dass die Daumenseite der Faust genau unter dem Brustbein liegt. Dann drückt man die Faust bis zu fünf Mal mit einer schnellen Aufwärtsbewegung in den Bauch des Patienten. Das erzeugt einen Luftstoß in den Atemwegen, der die Nahrung nach oben drückt. Der Patient kann dabei stehen oder auf dem Boden liegen.

 

Rettungsdienst alarmieren

 

Sollte diese Maßnahme erfolglos bleiben und der Patient durch Atem-Kreislauf-Stillstand ohne Bewusstsein und ohne normale Atmung sein, muss man unverzüglich den Rettungsdienst alarmieren (Notruf in ganz Europa: 112). Bis zu dessen Eintreffen muss reanimiert werden.

 

Wiederbelebung beginnen

 

Bei dieser Wiederbelebung wird zuerst die Mundhöhle ausgeräumt und sofort mit Herzdruckmassage begonnen. Durch den Druck während der Herzdruckmassage wird der Fremdkörper aus den Atemwegen hinausgedrückt. Vor einer Beatmung muss nachgesehen werden, ob sich der Fremdkörper noch im Mund befindet. Er ist dann zu entfernen.

 

Sonstiges

 

Bei Anwendung des Heimlich-Griffs besteht die Gefahr von inneren Verletzungen beim Patienten (Milz, Leber, Magen, Niere, Rippenbrüche). Aufgrund der akuten Lebensgefahr durch Ersticken werden die Risiken jedoch in Kauf genommen. Nach der Anwendung des Heimlich-Griffs sollte der Patient aber in ein Krankenhaus gebracht werden, um eventuelle Verletzungen auszuschließen oder zu behandeln. Generell sollte man den Heimlich-Griff nur nutzen, wenn alle anderen Maßnahmen nicht zum Erfolg führen. Wegen drohender Verletzungen darf man den Heimlich-Griff beim Üben allenfalls andeuten.

 

Bei Verschlucken und Erstickungsgefahr darf man dem Betroffenen nichts zu Trinken geben. Auch im Falle des Ertrinkens darf man nicht versuchen, mit dem Heimlich-Griff Wasser aus der Lunge zu entfernen. Und wenn die Bewusstlosigkeit bereits eingetreten ist, soll man den Heimlich-Griff ebenfalls nicht mehr anwenden, sondern sofort mit der Wiederbelebung beginnen.

 

Nach einem Erstickungsanfall sollte der Betroffene aufrecht und leicht nach vorne geneigt sitzen. Er sollte ermutigt werden, rhythmisch und tief zu atmen, bis er sich von dem Anfall erholt hat.

 

Die Infoblätter sind keine Quelle für medizinische, juristische oder finanzielle Ratschläge.

 

Autor: Ekkehart Brückner                                                                                                                                                                                                                                               Stand: Januar 2016